Tiertransporte - ökologisch und moralisch inakzeptabel!

Unter dem Titel „Tiertransporte grenzenlos“ zeigte das ZDF am 18.02.20 in der Sendereihe 37° eine weitere Dokumentation des renommierten Autors und TV-Journalisten Manfred Karremann, der die abscheulichen Tierquälereien und die unglaublichen Missstände bei Tiertransporten in die Türkei und andere Länder des Nahen und Mittleren Ostens und bis nach Zentralasien aufdeckte.

Ich habe mir die Reportage von Manfred Karremann, den ich persönlich kenne und schätze, angesehen. Als Tierschützer/Tierrechtler wurde ich in den letzten 23 Jahren mit den abartigsten Tierquälereien konfrontiert und kenne die Missstände bei Tiertransporten zur Genüge. Ich war 2018 im Hafen von Rasa (Kroatien) und filmte mit anderen Tierschützern, wie ein Rind, das aus Panik über die Verladerampe ins Meer gesprungen und zwischen Mole und Schiffsrumpf eingeklemmt war, mit einem Krahn - an einem Bein vertäut – hochgezogen und ins Innere des Transportschiffes gezerrt wurde. Von der neuen Reportage von Karremann war ich maßlos schockiert, so etwas hatte ich bisher noch nicht gesehen.

In den Landwirtschaftsministerien der EU-Mitgliedstaaten und in der Kommission in Brüssel weiß man über das unermessliche Leiden, das Tieren bei den Transporten widerfährt und über den ökologischen Wahnsinn solcher Transporte Bescheid. Aber trotzdem ist kein politischer Wille zu erkennen, all dies zu beenden. Im Gegenteil – die abscheulichen und lebensverachtenden Geschäfte der „Fleisch-Mafia“ werden teils direkt, teils indirekt mit unseren Steuergeldern honoriert. Die Landwirtschaftsminister und der EU-Agrarkommissar sind sogar stetig bemüht, den Handel und den Export mit dem „Produkt Tier“ noch weiter anzukurbeln.

So werden in der Europäischen Union pro Tag etwa 3,8 Millionen „Nutztiere“ transportiert, pro Jahr sind das 1,4 Milliarden Tiere.

Die Tiere werden von Zuchtbetrieben zu Mastbetrieben transportiert und schließlich zu Schlachthöfen. Beispielsweise werden Kälber aus Deutschland in EU-Länder gekarrt, wo die Mast aufgrund geringerer Lohn- und Futterkosten billiger als in Deutschland ist. Nicht selten folgt nach der Mast der Transport zum billigsten Schlachthof in einem anderen EU-Land. Da es keine zeitliche Begrenzung für diese Transporte gibt, werden die Tiere oft über viele Tage - manchmal auch Wochen - kreuz und quer durch Europa gefahren.

Die Tiertransporte in Länder außerhalb der EU steigen seit Jahren kontinuierlich an, da die europäische Landwirtschaft über den Bedarf im Binnenmarkt hinaus „produziert“ und dementsprechend immer mehr Export-orientierter wurde. Mehr als 4 Millionen Rinder, Schweine, Ziegen und Schafe werden jährlich von der EU in Drittländer transportiert, die meisten von ihnen, wenn es in den Nahen und Mittleren Osten geht, um dort betäubungslos geschächtet zu werden.

Das Leiden der Tiere und die Belastung von Klima und Umwelt bei Langstreckentransporten durch die Emissionen der Diesel-LKWs oder Schweröl-Dieselmotoren bei Schiffstransporten werden nicht berücksichtigt. Es geht der „Fleisch-Mafia“ und ihren „Amigos“ in den Parlamenten der Mitgliedstaaten und im EU-Parlament um das große Geld und nicht um ökologische und moralische Aspekte.

Die ÖDP Saar hat zum Thema Tiertransporte einen klaren Standpunkt: Sie sind ökologisch und moralisch inakzeptabel!

Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre eine gesetzliche Regelung für eine maximale Transportstrecke und ein ausnahmsloses Verbot von Tiertransporten über die Grenzen des Binnenmarktes hinaus.

Stefan Bernhard Eck, ÖDP Saar


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