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35 Jahre nach Tschernobyl: Cattenom muss abgeschaltet werden

Brüssel, 26. April 2021 – 35 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl ist Atomkraft weiterhin Teil der europäischen Energieversorgung. Trotz verheerender Gefahren und die immer noch nicht gelöste Frage um die Endlagerung des Atommülls, wird auch in der EU über Laufzeitverlängerungen von Atomkraftanlagen diskutiert. Manuela Ripa, EU-Abgeordnete der ÖDP, kritisiert das: „Die Katastrophen von Tschernobyl und auch Fukushima haben uns die unglaublichen Risiken, die mit Atomkraft einhergehen, mit aller Dramatik vor Augen gehalten. Ein Vorfall in einem Atomkraftwerk – sei es durch menschliches Versagen, technisches Versagen oder einer Naturkatastrophe – hat tödliche, irreversible Folgen für Menschen und Umwelt. Und das weit über Landesgrenzen und Kontinente hinaus. Trotzdem will die französische Regierung das veraltete Atomkraftwerk Cattenom mit großem Finanzaufwand sanieren und die Laufzeit um 10 Jahre verlängern. Die 200 Millionen Euro, die für die Modernisierung von Cattenom aufgewendet werden sollen, sollten direkt in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen. Das wäre eine echte nachhaltige Langzeitlösung, die wir jetzt brauchen. Ich schließe mich der Forderung von Luxemburg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland an, die Laufzeit des französischen Atomkraftwerks Cattenom nicht bis 2036 zu verlängern. Wir dürfen im Kampf für unsere Klimaziele nicht auf rückwärtsgewandte und obendrein noch hoch-gefährliche Technologien setzen. Wir wissen bis heute nicht, wohin mit dem radioaktiven Abfall und die massiven Gefahren im Betrieb eines Atomreaktors sind nicht von der Hand zu weisen. Europa hat auch ohne Cattenom keine Engpässe in der Energieversorgung zu befürchten und wir können die wegfallende Erzeugungsleistung zunehmend mit erneuerbaren Energien auffangen. Bereits im Dezember habe ich einen Brief an die EU Kommission mitunterzeichnet, um weitere Laufzeitverlängerung von französischen Atom-Meilern zu verhindern.“

Sorge bereiten in dieser Hinsicht auch die Pläne Japans für Fukushima und die neue EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzen, bei der vermehrt Nuklearenergie zur Sprache kommt: „Die neue EU Taxonomie soll wirksame Investitionen für einen nachhaltigen, klimafreundlichen Systemwechsel von reinem „greenwashing“ unterscheiden. Wichtiges Kriterium hierbei ist das „do no significant harm“ Prinzip, also dass neue Technologien in bestimmten Bereichen wie Klimaschutz oder Schutz der Biodiversität, keinen signifikanten Schaden anrichten dürfen. In meinen Augen wird dieses Prinzip bei Atomkraft in allen Belangen verletzt: Atomkraft behindert den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, erzeugt durch Atommüll schwerwiegende Umweltverschmutzungen, hat das Potenzial, Biodiversität weiter zu zerstören und trägt durch den immensen Wasserverbrauch zur Verschärfung der Klimakrise bei. Außerdem ist Atomkraft eine sperrige, langsame Energiequelle und so auch als Übergangslösung völlig ungeeignet.

An anderer Stelle hat die japanische Regierung vor kurzem erst angekündigt, 1 Millionen

Kubikmeter radioaktiv verseuchtes Wasser in den Pazifik zu leiten. Die Schäden an Umwelt, Tieren und letztlich uns Menschen kann man sich nur ausmalen. Bisher gibt es kaum verlässliche Daten, um eine Aussage über das Ausmaß der Schäden treffen zu können. Deshalb rufe ich auch zum Unterzeichnen einer Petition auf, um den Entschluss der japanischen Regierung wieder aufzuheben.“